Freischicht ist ein planmäßig dienstfreier Tag innerhalb eines Schichtzyklus: Die Person oder Schichtgruppe ist laut Rotationsmuster nicht eingeteilt, ohne dass dafür Urlaub angerechnet wird. Schichtpläne kennen drei Arten – die Zyklus-Freischicht als fester Bestandteil des Rotationsmodells (etwa zwei freie Tage je 8-Tage-Zyklus im 2-2-2-Modell), die Ausgleichs-Freischicht zum Abbau von Mehrstunden aus dem Zyklus und den Ersatzruhetag nach Sonntagsarbeit (§ 11 ArbZG).
Die drei Arten der Freischicht
Im Planungsraster sehen alle drei gleich aus – eine Zelle mit dem Kürzel „frei“. Für Stundenkonto, Recht und Fairness-Zähler sind sie aber verschiedene Dinge und sollten im System unterscheidbar sein:
| Art | Woher sie kommt | Beispiel | Rechtsbezug |
|---|---|---|---|
| Zyklus-Freischicht | fester Bestandteil des Rotationsmodells | zwei freie Tage nach dem Nachtblock im 2-2-2-Modell, vier im 5-Schicht-Modell | § 5 ArbZG (Ruhezeit nach dem Nachtblock) |
| Ausgleichs-Freischicht | Differenz zwischen Zyklus- und Vertragsstunden | 42 Wochenstunden im 2-2-2-Zyklus bei 40-Stunden-Vertrag | Arbeitsvertrag / Stundenkonto |
| Ersatzruhetag | gesetzliche Pflicht nach Sonntagsarbeit | freier Tag binnen zwei Wochen nach gearbeitetem Sonntag | § 11 ArbZG |
Abzugrenzen sind Urlaub (eigener Anspruch, eigenes Konto) und Krankheit – beide ersetzen keine Freischicht und werden im Plan mit eigenen Kürzeln geführt.
Die Zyklus-Freischicht ist dabei keine Großzügigkeit, sondern rechnerische Notwendigkeit: Die letzte Nachtschicht eines Blocks endet um 6 Uhr morgens – eine Spätschicht am selben Tag läge bei 8 Stunden Ruhezeit, eine Frühschicht wäre ohnehin unmöglich. Mindestens ein freier Tag nach dem Nachtblock ist deshalb in jedem sauberen Modell eingebaut; wie die Zyklen im Detail aussehen, zeigt die Seite Rotationsmodelle.
Rechtlicher Rahmen
Die Freischicht selbst regelt kein Paragraf – sie ist das Werkzeug, mit dem Pläne die gesetzlichen Grenzen einhalten: die 11-Stunden-Ruhezeit (§ 5 ArbZG), den Ausgleich verlängerter Arbeitstage (§ 3 ArbZG erlaubt 10 Stunden nur mit Ausgleich) und die Sonntagsruhe mit mindestens 15 beschäftigungsfreien Sonntagen pro Jahr und Ersatzruhetagen binnen zwei Wochen (§ 11 ArbZG). Einseitig streichen lässt sich eine geplante Freischicht nicht ohne Weiteres: Die Dienstzuweisung unterliegt billigem Ermessen (§ 106 GewO), und mit Betriebsrat ist jede Planänderung mitbestimmungspflichtig (§ 87 Abs. 1 Nr. 2, 3 BetrVG).
Das 2-2-2-Modell erzeugt im Schnitt 42 Wochenstunden. Bei einem 40-Stunden-Vertrag laufen so 2 Mehrstunden pro Woche auf – nach vier Wochen eine volle 8-Stunden-Schicht. Als Planungsgröße: je Vollzeitkraft rund eine zusätzliche Ausgleichs-Freischicht pro Monat, die das Stundenkonto automatisch anzeigen sollte.
Freischichten in Software führen
Der kritische Punkt ist die Buchführung: Zyklus-Freischichten, Ausgleichstage und Ersatzruhetage müssen getrennt gezählt werden, sonst verschwinden Ansprüche im Sammelkürzel „frei“. In Aplano laufen Stundenkonten und Überstunden automatisch mit, Abwesenheiten und Urlaubskonten sind vom Schichtplan getrennt geführt – die Differenz zwischen Zyklus- und Vertragsstunden bleibt damit sichtbar, statt am Quartalsende zur Überraschung zu werden. Wie Werkzeuge im Feld solche Konten führen, zeigt der Vergleich; zur Abgrenzung vom Urlaub der Beitrag im Blog.
Quellen
- Arbeitszeitgesetz: § 3 ArbZG (Arbeitszeit) · § 5 ArbZG (Ruhezeit) · § 11 ArbZG (Sonn- und Feiertagsruhe)
- Weisungsrecht und Mitbestimmung: § 106 GewO · § 87 BetrVG
- Wochenstunden-Rechnung 2-2-2-Modell (42 h): eigene Darstellung, abgeleitet aus dem 8-Tage-Zyklus – siehe Rotationsmodelle.
Häufige Fragen zu Freischicht
Ist eine Freischicht dasselbe wie Urlaub?
Nein. Die Freischicht ist Bestandteil des Schichtzyklus: Die Person ist planmäßig nicht eingeteilt, ohne dass Urlaubstage angerechnet werden. Urlaub ist ein eigener Anspruch, der zusätzlich beantragt und genehmigt wird – im Plan sind beide getrennt zu führen, sonst stimmen weder Urlaubskonto noch Stundenkonto.
Wie viele Freischichten enthält das 2-2-2-Modell?
Zwei freie Tage je 8-Tage-Zyklus – nach dem Nachtblock. Dazu kommen Ausgleichs-Freischichten: Der Zyklus erzeugt im Schnitt 42 Wochenstunden; bei einer 40-Stunden-Woche muss die Differenz über zusätzliche freie Schichten ausgeglichen werden, die das Stundenkonto mitführt.
Kann eine geplante Freischicht kurzfristig gestrichen werden?
Nicht einseitig nach Belieben: Die Zuweisung von Diensten muss billigem Ermessen entsprechen (§ 106 GewO), Ruhezeit- und Sonntagsregeln gelten auch im Engpass, und mit Betriebsrat ist jede Planänderung zustimmungspflichtig (§ 87 Abs. 1 Nr. 2, 3 BetrVG) – auch die eilige. Wer eine Freischicht opfert und einspringt, sollte den Ausgleich dokumentiert gutgeschrieben bekommen.
Was ist der Unterschied zwischen Freischicht und Ersatzruhetag?
Der Ersatzruhetag ist eine gesetzlich vorgeschriebene Freischicht: Für jeden gearbeiteten Sonntag muss innerhalb von zwei Wochen ein beschäftigungsfreier Tag gewährt werden (§ 11 ArbZG). Gewöhnliche Zyklus- und Ausgleichs-Freischichten ergeben sich dagegen aus dem Rotationsmodell und dem Stundenkonto, nicht aus einer gesetzlichen Einzelpflicht.